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  • AutorenbildKatja Reuther

Lebensgeschichten statt Lebenslauf

Ich starte mit einer Reihe von Geschichten einiger meiner Kund*innen. Geschichten hinter und zwischen den Zeilen ihres Werdegangs. Erlebnisse und Gegebenheiten, die nicht in stereotypen Lebensläufen wiedergegeben werden und so ihr eigentliches Potenzial zeigen können.


Geschichten von Menschen, die entweder aufgrund ihres Alters, eines unklaren Lebenslaufs oder fehlender Ausbildungen oft durch die Raster bei Rekrutierungen fallen.


Für mich sind diese spannenden Lebensgeschichten ein Geschenk und da ich sehr gerne teile, teile ich diese nun hier mit euch. Viel Spass beim Lesen!


meet: jacklyne Guy

Das ist Jacklyne. Ihr Werdegang ist ein ziemliches Durcheinander. Er ist nicht linear, sieht aus wie ein Jobhopper, weist ständig Lücken auf und eine klassische Ausbildung hat sie auch nicht. Und das eine Diplom das sie hatte (Hauswirtschaftliche Angestellte), ist verbrannt... Was sie jedoch hat, sind 42 Jahre nicht zertifiziertes Erfahrungswissen.


Und genau da beginnt meine Neugierde: was erzählt mir meine Kundin über ihr Leben, das so bewegt zu sein scheint?


Jacklyne lacht schampar viel. Auch wenn die Situation nicht gerade zum Lachen ist, sie lacht es weg.


«Ich lebe mit einem positiven Mindset» meint sie.


Jacklyne ist in der Schweiz und in London aufgewachsen und hat somit Deutsch, Schwiizerdütsch und Englisch als Muttersprachen. Ihre Mutter hat damals in der Schweiz ein Altersheim geleitet, dessen Mitarbeiter*innen allesamt keine Diplome hatten und diese auch nicht brauchten. «Die Pfleger*innen wurden von meiner Mutter eingestellt, weil sie die Arbeit mit Herzblut machten. Sie hat ihnen alles on the job beigebracht und sie entwickelten sich zu top Fachkräften.»


Es kann sein, dass Jacklyne deshalb in den 70er Jahren eine offizielle Ausbildung ebenfalls nicht so wichtig fand. Ihre Mutter lebte es ihr vor:


"tu etwas gerne, tu etwas oft, dann wirst du es automatisch gut können".


So ging sie direkt nach der Schule als Nanny nach London.


Nach 5 Jahren kam sie zurück in die Schweiz, ging in die Berge und war in Laax im Dancing Camona während 4 Saisons allein für die Bar zuständig. Jacklyne verdiente ihr eigenes Geld und lebte immer selbständig. Irgendwann meldete sich die Inhaberin einer Personalvermittlungsfirma (die heutige Workmanagement) bei ihr. Ob sie Interesse hätte ins Büro zu Coca-Cola zu wechseln. Sie brauchten da dringend jemanden der Englisch sprach, fanden aber gerade niemanden passendes. Jacklyne überlegte nicht lange, da die Nachtarbeit doch langsam an ihr nagte. Sie startete als Rezeptionistin und wurde schliesslich aufgrund ihrer guten Leistungen als Assistentin in die Abteilung Global Packaging befördert. Nach einer Ausbildung wurde nicht gefragt, ihre Leistungen wurden on the job erkannt und man befand sie als absolut geeignet.


«Das war die best decision ever! Ich hatte einen coolen Job und habe so viel gelernt».


Nach 4 Jahren zog es Jacklyne wieder in ihre zweite Heimat, nach London. Und dann ging das Jobhopping los. Weil sie immer wieder entlassen wurde?


«Nein, ich war ein Reisefüdli! In UK ist das absolut normal, dass man temporär arbeitet und alle 3 Jahre mal den Job wechselt. Und das war perfekt für mich, weil ich mit meinem Partner ständig auf Reisen war. Wir klapperten ganz Europa ab, waren oft in der Karibik und einmal sogar in Australien»


In London wurde sie meistens in der Finanzbrache eingesetzt. Zum Beispiel bei JP Morgan, der Deutschen Bank, Merrill Lynch, der UBS, der State Street Bank, usw. Sie war eine top Assistentin und wurde durch die Temporärfirma pausenlos vermittelt, die Nachfrage nach ihr war gross, man kannte sie im Netzwerk.


Sie lacht: «uns nannte man damals agile Workers»!


Privat war Jacklyne schon immer ein Gesundheitsmensch. Die Ernährung und die Auswirkungen auf den Körper interessierte sie so stark, dass sie im Jahr 2009, also mit 48 Jahren das Studium «Nutritional Science» an der BCNH Academy in London startete. Sie wäre gerne Researcher in der Mikrobiologie geworden, könnte sie das Zeitrad nochmals zurückdrehen.


Aufgrund eines gesundheitlichen Notfalls eines Familienmitglieds in der Schweiz liess sie zwei Jahre nach Studienbeginn alles stehen und liegen in London, um ihrer Familie beizustehen. Als das Schlimmste vorüber war fand sie rasch eine Anstellung in Zürich in einer internationalen Versicherung und war viele Jahre wiederum als Executive Assistant tätig.


«Ich liebe diesen Job. Das Organisieren ist meine Königsdisziplin. Ich interessiere mich für das gesamte Geschäft, für das Big Picture, und verstehe deshalb was von mir gebraucht wird, bevor es ausgesprochen ist. Einmal musste ich innerhalb von zwei Wochen einen Event organisieren, obwohl noch nicht mal die Namen der Teilnehmer feststand. Es geht immer! Ich finde immer eine Lösung»


42 Jahre Berufserfahrung als Assistentin in mindestens 18 Firmen in der Schweiz und UK. Das heisst sie hat mittlerweile den absoluten 360° Durchblick und kann sich intuitiv und rassig einer Situation anpassen.


«Assistentin in einem coolen Startup zu sein wäre zum Beispiel lässig. Sie könnten mich einfach hinsetzen und ich arbeite dann von allein, während sie sich ihrem Business widmen. Und natürlich könnten sie von meinem Erfahrungswissen profitieren, das gebe ich doch gerne weiter».


Ob sie die verschiedenen IT-Systeme, mit denen sie schon gearbeitet hat im CV aufführen soll? Wie viele sind es denn? Also nebst MS Office, Lotus Notes kämen noch so ca. 6 – 10 Stück dazu. Für Reisebuchungen, Expenses, Buchhaltung. Wie sie alle hiessen, weiss sie gar nicht mehr so genau, aber dass alle irgendwie auf demselben Prinzip aufgebaut waren. Die meisten gibt es eventuell gar nicht mehr, grinst sie. Wir einigen uns dann, dass wir das Fax und das Telex auslassen, auch wenn’s voll Vintage wäre 😊.


Für mich ist klar, Jacklyne ist eine Assistentin mit Durchblick, die jedem Team das Leben echt leichter machen könnte. Jedoch ist auch klar, dass sie dieses breite Erfahrungswissen nicht wie oft gewünscht mit zarten 35 Jahren sammeln konnte! Um sich dieses Knowhow anzueignen, brauchte es ein paar Jährchen mehr.


Jacklyne ist 59 Jahre jung. Das Bild ist erst vor kurzem entstanden und genau so ist sie. Eine Powerfrau, a hell of a woman, die mit Vollgas durchs Leben geht. Jedoch stoppt sie immer wieder, um anderen Menschen zuzuhören, sie zu unterstützen, Freunde einzuladen, sie zu bekochen und ihre gute Laune zu verbreiten. Das Thema gesunde Ernährung nimmt auch heute noch einen grossen Platz in ihrem Leben ein und sie unterstützt Menschen, die ihren Rat diesbezüglich brauchen.


Am liebsten bewegt sie sich auf ihrer Triumph Daytona 675 «Ich liebe motorradfahren, am liebsten schnell oder kurvig, mit Freunden unterwegs: es gibt mir ein Gefühl der Freiheit und ‘in control’ zu sein».


Sie hat nun also noch mindestens 6 Jahre, um ihr gesammeltes Wissen in die Wirtschaft einfliessen zu lassen. Das ist mehr als ein halbes Jahrzehnt! Wer also die Gelegenheit beim Schopf packen und mit Jacklyne zusammenarbeiten will, sollte sich sputen!


Einfach bei ihr über LinkedIn melden oder diesen Beitrag teilen oder weiterleiten. So funktioniert dieses Netzwerk doch am besten: irgendjemand kennt immer irgendjemanden, der irgendjemanden kennt!



May the networking force be with you!

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